ColognePride: 19.6. bis 4.7.2010 / CSD-Straßenfest: 2. bis 4.7.2010 / Kölner Aids-Gala: 2.7.2010 / Colour Cologne: 3.7.2010 / CSD-Parade: 4.7.2010

"Null Toleranz!"
Das Motto des CSD Köln / ColognePride 2008

Um nicht missverstanden zu werden, haben wir dem eigentlichen Motto noch die Unterzeile „für null Toleranz" angefügt. Denn selbstverständlich treten wir grundsätzlich weiterhin für Toleranz und Akzeptanz ein. Nur Kräften gegenüber, deren eigene Haltung von Ablehnung und Intoleranz geprägt ist, bringen wir keine Toleranz mehr entgegen und fordern zugleich Politik und Gesellschaft auf, diesen Tendenzen gemeinsam mit uns Einhalt zu gebieten.
Wie in den vergangenen Jahren auch, haben wir das Motto thematisch aufgefächert und uns fünf Themen herausgesucht, die aus unserer Sicht das Problem der andauernden und zum Teil zunehmenden Intoleranz gegenüber Lesben, Schwulen und Transgender besonders deutlich machen.

1. Religion

Leider lehnen Vertreter unterschiedlicher Weltreligionen uns Homosexuelle nach wie vor aus angeblich theologischen Gründen massiv ab und formulieren diese Haltung in teilweise drastischer Form nicht nur gegenüber den Gläubigen, sondern auch gegenüber der säkularen Öffentlichkeit. Besonders starke Ablehnung erfahren Schwule, Lesben und Transgender durch die katholische Kirche und die weitaus meisten Strömungen des Islam. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf der Grundlage unzeitgemäß ausgelegter religiöser Texte in unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung Hass und Ausgrenzung gegenüber Homosexuellen gepredigt wird. Religionsfreiheit ist nicht schrankenlos gewährt, sie findet ihre Grenze spätestens in der Verletzung der Menschenwürde Anderer.

2. Popkultur

Deutscher Gangster-Rap oder jamaikanischer Dancehall, Schwule und Lesben sind immer wieder Zielscheibe von Hassmusik. Sizzla Kalonji, Dancehall-Star mit vielen deutschen Fans, ruft in einem seiner Lieder offen dazu auf, schwule Männer zu verbrennen oder zu erschießen. Der deutsche Gangster-Rapper G-Hot fantasiert davon, mit Maschinengewehren beim CSD anzurücken. Diese und andere Beispiele zeigen, dass über das Medium Musik etwaig beim Publikum bestehende Vorbehalte gegenüber Homosexuellen massiv geschürt und sogar durch eine Gewaltoption ergänzt werden. Hier sind Justiz und Politik gefordert, bestehende Gesetze konsequent anzuwenden und die Grenzen für nicht mehr hinnehmbare Hasstiraden noch klarer zu ziehen.

3. Familie

Der klassische Ort der Geborgenheit kann für viele Lesben, Schwulen und Transgender ganz schnell zum Albtraum werden, wenn sie in ihrer Familie ihre sexuelle Identität offenbaren und dabei nicht auf das erhoffte Verständnis, sondern auf offene Ablehnung stoßen. Leider sind die Zeiten immer noch nicht vorbei, in denen Mütter und Väter aus gekränktem Stolz, aus Angst vor dem Gerede der Nachbarn oder aus anderen Motiven ihren Söhnen und Töchtern nach deren Coming-out die Tür weisen und mit so vernichtenden Sätzen wie „Du bist jetzt nicht mehr mein Kind!" überziehen. Auch hier gilt: Null Toleranz! Allerdings mit dem Zusatz, dass es auch Aufgabe von Staat und Gesellschaft ist, Eltern und Familien durch Aufklärung und Unterstützung von Akzeptanzarbeit zu befähigen, die Homosexualität der eigenen Kinder nicht als Niederlage oder Bedrohung, sondern als Normalität und Bereicherung zu erleben.

4. Schule

Die Tatsache, dass „schwul" eines der beliebtesten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen ist, ist nicht nur im deutschen Blätterwald hinreichend ventiliert worden, sie entspricht auch der Lebenswirklichkeit, die sich jeden Tag, zum Beispiel bei einer Fahrt mit der Straßenbahn in der Zeit des mittäglichen Schulendes, erleben lässt. Wissenschaftlich belegt ist die weitere Tatsache, dass die Suizidrate unter lesbischen und schwulen Jungendlichen ein Vielfaches höher liegt als bei ihren heterosexuellen Altersgenossen. Damit dürfen wir uns nicht abfinden! Pädagogen und Politiker müssen endlich Konzepte entwickeln, die eine wirkungsvolle und nachhaltige Werteerziehung, zu der auch der Respekt gegenüber Minderheiten gehört, in den Schulen sicherstellt. Junge Menschen müssen früh lernen, Respekt vor Andersartigkeit zu haben. Und Schwule und Lesben dürfen nicht länger Angst davor haben müssen, ihre sexuelle Identität in der Schule und in ihrem Freundeskreis zu offenbaren.

5. Beruf

Die meiste Zeit seines erwachsenen Lebens verbringt der Mensch in aller Regel an seinem Arbeitsplatz. Umso schlimmer, wenn er dort auf Ablehnung oder Ausgrenzung stößt, also untechnisch gesprochen „gemobbt" wird. Immer noch erleben dies viele Lesben, Schwule und Transgender in ihrem Beruf, die Formen der Diskriminierung reichen von Tuscheleien und üblen Witzen bis hin zu arbeitsrechtlichen Sanktionen oder sogar sexueller bzw. körperlicher Gewalt. Zwar gibt es mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) inzwischen ein durchaus wirksames Instrument, sich gegen Ungleichbehandlungen am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Identität zu wehren. Hier herrscht jedoch verbreitet noch viel Unkenntnis bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern, und einige Betroffene trauen sich schlicht nicht, den Kampf gegen die Diskriminierung selbst aufzunehmen. Null Toleranz gegenüber intoleranten Kollegen und Chefs, der Arbeitsplatz darf keine Spielwiese für Diskriminierung sein!
Für die fünf Themen haben wir pars pro toto fünf zum Teil fiktive Repräsentanten ausgesucht und diese in die Optik von Vermisstenanzeigen hineintransponiert. Diese sollen im Vorfeld des CSD-Hauptwochenendes mit Plakaten und Anzeigen bereits bekannt gemacht werden, zum CSD-Straßenfest wollen wir damit dann die Stände, Laternenmasten, Absperrgitter etc. bekleben. Den Kontext mit unserem Motto erreichen wir dadurch, dass auf den Vermisstenanzeigen jeweils einer unserer bunten und auffälligen Aufkleber prangen wird.
Durch die schlichte Optik und die Gestaltungselemente, die üblicherweise in einer Vermisstenanzeige enthalten sind, wollen wir Aufmerksamkeit erzielen und im ersten Moment vielleicht auch verstören. Gleichzeitig bringen wir durch unsere Signatur unsere Distanz und unsere Ablehnung der von den „Vermissten" repräsentierten Intoleranz zum Ausdruck.
Wichtig ist uns jedoch die Klarstellung, dass keine der „vermissten" Personen tatsächlich verschwunden ist und wir auch nicht dazu aufrufen, diese oder andere Personen verschwinden zu lassen oder ihnen auf sonstige Art Gewalt anzutun. Um diesbezüglich keine Missverständnisse entstehen zu lassen, haben wir einen entsprechenden Hinweis auf jede der Vermisstenanzeigen gedruckt.
Wir hoffen, mit unserem Motto und seiner Umsetzung dazu beizutragen, dass unsere Gesellschaft in Zukunft sensibler mit minderheitenfeindlichen Tendenzen umgeht und sich dort aktiv und unterstützend kämpferisch an die Seite der Lesben, Schwulen und Transgender stellt, wo diese auf Hass, Intoleranz und Ausgrenzung stoßen.

Rechtlicher Hinweis:

Das Motto des CSD Köln/ColognePride sowie die gesamte damit zusammenhängende Gestaltungslinie sind urheberrechtlich geschützt. Ohne vorherige Zustimmung des Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. ist es daher untersagt, das Motto und / oder die Gestaltungslinie in einer Weise zu gebrauchen und/oder umzugestalten, die geeignet wäre, die inhaltliche Aussage des Mottos zu verändern und / oder die Gestaltungslinie zu verfälschen. Ausdrücklich untersagt ist die Nutzung des Mottos und / oder der Gestaltungslinie zu werblichen Zwecken.