Home Event-Archiv Kann Begehren diskriminierend sein?

Kann Begehren diskriminierend sein?

Vortrag/Diskussion mit Patsy l’Amour laLove, gerahmt von einer Kunstausstellung mit Joanna Stange

Sexuelle Zurückweisungen veranlassen regelmäßig dazu, diese als eine gesellschaftlich verankerte Ablehnung statt als „nur“ subjektiv erlebte Kränkung zu bewerten. Hinweise wie „Keine Tunten, keine Dicken, keine Asiaten!“ haben in schwulen Dating-Portalen an Häufigkeit kaum verloren – und werden als diskriminierend bezeichnet. Die Dating-App „Grindr“ geht mittlerweile gegen solche (im englischen) als „sexueller Rassismus“ bezeichneten Auslassungen vor.

In der Empörung darüber äußert sich häufig ein Missverständnis, welchem im Vortrag nachgegangen werden soll: Begehren oder Sexualität werden mit stigmatisierenden, herablassenden Aussagen gleichgesetzt, deren Heftigkeit darauf hinweist, dass darin nicht bloß eine sexuelle Präferenz Ausdruck findet. Damit stellt sich die Frage nach den Begriffen, mit welchen operiert wird: Was bspw. versteht man unter Rassismus, wenn man Begehren als „rassistisch“ fasst und inwiefern bagatellisiert diese Vorstellung?

Reflexionsanstöße zu sexuellen Verkehrsformen, ob unter Schwulen oder andernorts, stehen einem scharfen Moralisieren gegenüber, das zu oft mit Reflexion verwechselt wird. Der Vortrag widmet sich dieser Verwirrung und den damit transportierten Vorstellungen von sexueller Befreiung, die mitunter zur Forderung nach sexueller Umorientierung werden: So als wäre es gerechter, wenn alle mit allen ins Bett wollen würden. Sexuelles Begehren, sexuelle Vorlieben und die Objektwahl müssen dann fluide erscheinen, um nicht dem Vorwurf der sexuellen Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Stattdessen wird es darum gehen, was Freiheit im Zusammenhang von Begehren bedeuten kann und inwiefern Sexualität überhaupt den Anforderungen derer standhalten kann, welchen sie zu unbändig und zu eingeschränkt zugleich erscheint.

Patsy l’Amour laLove, Polittunte und Geschlechterforscherin, wurde in Gender Studies zur westdeutschen Schwulenbewegung der 1970er Jahre promoviert, Kuratorin der Ausstellung „Faszination Sex“ über Martin Dannecker (2017-2018), Herausgeberin der sexualpolitischen Sammelbände „Selbsthass & Emanzipation“ (2016) und „Beißreflexe“ (2017) im Querverlag, Organisatorin kultureller und wissenschaftlicher Veranstaltungen wie ihrem Neuköllner Salon „Ludwig l’Amour“.

Kooperationspartner*innen: KLuST, LuSK, Schwules Netzwerk
Moderation: Marco Kammholz (Doloris Dobendan)

Ort: YAMUNO – ATELIER JOANNA STANGE – Florastr. 3
Bild: Patsy l’Amour laLove (Foto: Jan Maximilian Gerlach)

 

Datum

04. Jul 2019

Uhrzeit

18:30

Preis

kostenfrei

Mehr Informationen

Mehr lesen
Homepage